Frauen und Technik? Desinteresse, meint der Arbeitgeberpräsident!

Frau möchte es nicht glauben! Da wird der Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt interviewt und führt uns seine ganze Ignoranz vor! Auf die Frage „Warum interessieren sich so wenige Frauen für technische Berufe?“ sagt er als Erstes: „Ich weiß es nicht.“ Da kann ich nur zustimmen, dabei hätte er bleiben sollen, dann hätte er sich eine Blamage erspart. Dann sagt er aber: „Womöglich ist die Erziehung ein Grund, Mädchen spielen eben lieber mit Puppen als mit Werkzeugbaukästen. Dabei gibt es tolle berufliche Möglichkeiten im Fahrzeug- und Maschinenbau oder in der Chemieindustrie.“
Ein Arbeitgebervertreter, der die Betriebe nicht kennt? Ein Mann, der sich zu allen politischen und gesellschaftlichen Fragen meldet, weiß nicht, wie die Situation von Frauen in technischen Studiengängen und der entsprechenden Arbeitswelt ist, die Atmosphäre, in der sie überleben müssen? Ich fasse es nicht! Er könnte es wissen, denn die Gesellschaft weiß es. Warum weiß er es nicht? Es interessiert ihn einfach nicht, Genderwissen braucht er nicht, er ist ja ein Mann, also in der Position der Macht! Muss ich mir das so erklären?
Es ist ja auch einfacher, in den Betroffenen die Schuld zu suchen, ihr Desinteresse! Erst lassen sie sich von ihren doofen Müttern immer diese blöden Puppen in den Arm drücken und dann merken sie nicht, was es für „tolle berufliche Möglichkeiten im Fahrzeug- und Maschinenbau oder in der Chemieindustrie“ – besonders für sie – gibt.

Quelle:
HUNDT, Dieter/FREESE, Alfons, 2013: „Mädchen spielen eben lieber mit Puppen“. Warum arbeiten in den Top-Jobs der deutschen Industrie so wenige Frauen? Schuld daran sei nicht die Männerdomi-nanz, sondern das Desinteresse potenzieller Bewerberinnen, meint Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. Einen Grund sieht er in der Erziehung von Mädchen. Interview In: Der Tagesspiegel vom 2013-02-14